Warum Vision Boards nicht reichen und Warum dein Nervensystem der Schlüssel für deine Ziele 2026 ist
Glücksmomente im Jänner
Jänner trägt für mich immer eine besondere Energie. Etwas Zwischenzeitliches. Die Feiertage liegen hinter uns, das Jahr fühlt sich noch frisch und formbar an – wie ein leeres Blatt, das darauf wartet, beschrieben zu werden. In dieser Zeit denken viele darüber nach, was sie erreichen wollen, welche Ziele wichtig werden und wer sie im neuen Jahr sein möchten. Und doch spüre ich jedes Jahr wieder dasselbe: Bevor wir etwas Neues erschaffen können, braucht unser Körper zuerst Sicherheit.
Ich habe lange geglaubt, dass Vision Boards, Ziele aufschreiben oder Pläne schmieden der Anfang sind. Heute weiß ich, dass das nicht stimmt. Die Bilder, die Worte, die Visionen wirken nur, wenn unser Nervensystem bereit ist, sie zu empfangen. Wenn nicht, bleiben sie schöne Collagen – ohne Ausdruck im echten Leben.
Ein Vision Board kann dir zeigen, wohin du willst. Dein Nervensystem entscheidet, ob du dort ankommst.
Der Körper als Eingangstür
Vielleicht kennst du dieses Gefühl: Du schaust auf dein Vision Board und spürst eine Mischung aus Begeisterung und Druck. Du willst es so sehr und gleichzeitig scheint ein Teil in dir zu fragen, ob das wirklich möglich ist. Dieser Teil ist nicht Mindset. Es ist Biologie.
Unser Nervensystem bewertet ständig, ob etwas sicher oder bedrohlich ist. Wenn ein Ziel zu groß, zu neu oder zu weit entfernt wirkt, stuft unser Körper es oft unbewusst als unsicher ein. Forschung zeigt, dass das Gehirn in Stresszuständen weniger Zugang zu präfrontalen Arealen hat, also genau jenen Regionen, die für Planung, Kreativität und langfristiges Denken zuständig sind (American Journal of Psychiatry). Mit anderen Worten: Wenn wir innerlich angespannt sind, kann unser Gehirn Zukunft nicht gut denken.
Der Wissenschaftler Antonio Damasio beschreibt Gefühle als körperliche Marker, die das Gehirn nutzt, um zu entscheiden, welche Handlungen richtig oder falsch erscheinen. Um ein Ziel wirklich zu verfolgen, müssen wir es nicht nur sehen. Wir müssen fühlen, dass es möglich ist.
„Der Körper ist die Bühne der Emotionen.“
Die Kraft der Verkörperung
Wenn ich an meine eigenen Jahresziele denke, beginne ich inzwischen nie mit den Fragen:
Was will ich?
Was brauche ich?
Was möchte ich erschaffen?
Ich beginne mit einer anderen Frage: Wie fühlt sich mein zukünftiges Ich an?
Nicht im Sinne von Optimismus oder Affirmation, sondern als somatische Orientierung. Denn unser Nervensystem arbeitet nicht mit Worten. Es arbeitet mit Empfindungen, Zuständen, Rhythmen.
Studien über Embodiment zeigen, dass der Körperzustand direkt beeinflusst, wie wir denken, entscheiden und handeln (Psychological Science). Wenn wir verkörpern, wie wir uns in unserem zukünftigen Ziel fühlen würden, entstehen im Gehirn neue Verknüpfungen. Das Ergebnis: Wir bewegen uns natürlicher darauf zu, ohne Druck oder Selbstzweifel.
Warum Vision Boards erst im regulierten Zustand wirken
Ein Vision Board aktiviert Teile des visuellen Kortex und motiviert uns über das dopaminerge Belohnungssystem. Das funktioniert aber nur, wenn wir in einem Zustand relativer Ruhe sind. Sobald Stress dominiert, interpretiert das Gehirn die Vision oft als Bedrohung, weil sie eine Veränderung bedeutet.
Die Forschung zeigt, dass ein reguliertes Nervensystem bessere Zielklarheit, erhöhte Motivation und ausgeglichenere Emotionsverarbeitung ermöglicht (Journal of Neuroscience). Das bedeutet: Bevor wir visualisieren, müssen wir uns beruhigen. Bevor wir träumen, brauchen wir Boden.
Im Grunde geht es darum, unser Nervensystem auf Empfang zu stellen. Erst dann können Ziele wirklich ankommen.
Eine kleine Praxis für dein Jahr 2026
Diese Übung mache ich selbst jedes Jahr im Jänner. Es ist eine Verbindung aus Atemarbeit, Embodiment und Visualisation, ohne dabei in Fantasie zu verlieren.
Setze dich bequem hin und lege eine Hand auf dein Herz oder deinen Bauch. Schließe die Augen und atme einige Male bewusst aus, etwas länger als du einatmest. Mit jeder Ausatmung signalisierst du deinem Körper: Ich bin sicher. Wenn du spürst, dass dein Atem ruhiger wird, stelle dir dein zukünftiges Ich vor. Nicht als Bild, sondern als Gefühl. Wie atmest du? Wie gehst du? Wie spricht dein Körper mit dir? Lasse dieses Gefühl sich in dir ausbreiten, ohne es zu erzwingen.
Bleibe hier einige Atemzüge. Dieses Körpergefühl ist die Sprache deines Nervensystems. Es ist die Grundlage für alles, was du in diesem Jahr erschaffen möchtest.
Ein reguliertes Nervensystem ist kein Luxus. Es ist die Voraussetzung für Veränderung.
Und vielleicht ist genau das der leise Zauber des Jänners:
Er erinnert uns daran, nicht nur zu planen, sondern zu spüren.
Nicht nur zu wünschen, sondern zu verkörpern.
Nicht nur ein Bild von uns selbst zu erschaffen, sondern einen Zustand.
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