Wenn alles gut ist und sich trotzdem etwas leer anfühlt

Glücksmomente im Februar

Über innere Stimmigkeit, Nervensystem und die leisen Signale des Körpers

Februar fühlt sich für mich oft wie ein leiser Monat an. Die Aufbruchsstimmung des Jänners ist vorbei, der Alltag hat uns wieder. Routinen greifen, Termine füllen die Tage, das Leben funktioniert. Und trotzdem höre ich in Gesprächen immer wieder denselben Satz, manchmal ausgesprochen, oft nur gefühlt: Eigentlich ist alles gut. Und doch fehlt etwas.

Diese innere Leere ist schwer zu greifen. Sie hat nichts Dramatisches an sich. Kein akutes Problem, keine klare Unzufriedenheit. Eher ein subtiles Ziehen im Inneren, eine Unruhe, ein Gefühl von Nicht-ganz-da-sein. Viele versuchen, diese Leerstelle mit neuen Zielen zu füllen, mit Veränderung, mit Optimierung. Doch oft liegt die Ursache an einem anderen Ort.

Nicht in dem, was fehlt. Sondern in dem, was innerlich nicht ganz stimmig ist.

Innere Stimmigkeit ist kein mentales Konzept

Innere Stimmigkeit wird oft mit Klarheit verwechselt. Mit Wissen darüber, was man will. Doch wir können sehr klar sein und uns trotzdem innerlich verloren fühlen. Der Grund dafür liegt nicht im Denken, sondern im Nervensystem.

Unser autonomes Nervensystem reguliert, wie sicher wir uns im Leben fühlen. Es beeinflusst, ob wir präsent sind oder abgeschnitten, verbunden oder innerlich auf Distanz. Studien aus der Neurobiologie zeigen, dass ein dysreguliertes Nervensystem selbst in objektiv sicheren Lebensumständen einen unterschwelligen Stresszustand aufrechterhalten kann (Teixeira et al., 2015). Das Leben funktioniert dann nach außen, während innen etwas permanent angespannt bleibt.

Diese Spannung äußert sich nicht immer als Angst. Oft zeigt sie sich als Leere, als Rastlosigkeit oder als das Gefühl, ständig etwas suchen zu müssen, ohne zu wissen was.

Nicht alles, was sich leer anfühlt, ist ein Mangel. Manches ist ein Signal.

Warum „funktionieren“ nicht dasselbe ist wie „stimmig sein“

Viele Menschen haben gelernt, sich anzupassen. Erwartungen zu erfüllen. Leistungsfähig zu sein. Das Nervensystem kann sich daran gewöhnen, dauerhaft in einem leichten Aktivierungszustand zu bleiben. Neurobiologisch gesprochen bewegen wir uns dann häufig im sympathischen Modus, selbst wenn keine akute Bedrohung besteht.

Forschung zur Polyvagal-Theorie zeigt, dass echte Verbundenheit, Sinnempfinden und innere Ruhe nur dann entstehen können, wenn der ventrale Vagus aktiviert ist, also jener Teil des Nervensystems, der für soziale Sicherheit und Präsenz zuständig ist (Frontiers in Psychology). Ohne diesen Zustand fühlt sich das Leben oft flach an. Nicht falsch, aber farblos.

Innere Stimmigkeit bedeutet, dass dein innerer Zustand mit deinem äußeren Leben übereinstimmt. Dass dein Körper das, was du lebst, als sicher und passend empfindet.

Wenn das fehlt, versucht der Verstand oft gegenzusteuern. Mit neuen Zielen. Mit Selbstoptimierung. Mit dem nächsten Schritt. Doch kein Ziel kann das ersetzen, was Regulation schafft.

Reflexion

Nimm dir einen Moment und spüre nach.

  • In welchen Bereichen deines Lebens funktionierst du gut, fühlst dich aber innerlich wenig berührt?

  • Wo bist du präsent und wo eher auf Autopilot?

Die leisen Signale des Körpers

Der Körper sendet ständig Hinweise, lange bevor der Verstand sie einordnen kann. Ein flacher Atem. Ein Druck im Brustraum. Müdigkeit ohne klare Ursache. Studien zur interozeptiven Wahrnehmung zeigen, dass Menschen, die die Signale ihres Körpers feiner wahrnehmen, bessere Entscheidungen treffen und emotional ausgeglichener sind (Psychology Science).

Innere Stimmigkeit zeigt sich nicht als großes Gefühl. Sie ist oft unspektakulär. Ein ruhiger Atem. Ein Gefühl von Weite. Das Empfinden, nichts beweisen zu müssen. Wenn wir lernen, diesen Signalen zu vertrauen, verändert sich unsere Lebensrichtung nicht abrupt, sondern leise.

Eine kleine Praxis für innere Stimmigkeit im Alltag

Diese Übung ist bewusst schlicht. Sie braucht keine besondere Stimmung und keinen Rückzug vom Alltag.

Setze dich für einen Moment aufrecht hin. Beide Füße am Boden. Lege eine Hand auf deinen Bauch oder deine Brust. Atme ruhig ein und verlängere deine Ausatmung sanft. Nicht kontrolliert, eher wie ein Seufzer.

Dann stelle dir keine Zukunft vor und kein Ziel. Frage deinen Körper nur: Wie fühlt sich stimmig an?

Vielleicht kommt keine klare Antwort. Vielleicht nur ein kleines Signal. Ein Wunsch nach Langsamkeit. Nach Aufrichtung. Nach mehr Raum. Nimm es wahr, ohne es zu bewerten. Dieses feine Empfinden ist die Sprache deines Nervensystems.

Bleibe ein paar Atemzüge dabei. Innere Stimmigkeit entsteht nicht durch Druck, sondern durch Beziehung.

Vielleicht ist Februar genau dafür da.
Nicht um Neues zu beginnen, sondern um zu spüren, ob das, was wir leben, wirklich zu uns passt.
Nicht um uns zu verbessern, sondern um uns innerlich auszurichten.

Denn ein Leben, das sich stimmig anfühlt, muss nicht perfekt sein.
Es muss nur echt sein.

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